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Beifall für ungewohnte Kunst

Michael Preiß

Michael Preiß aus Sinsheim hat mit seinem Bild „Im Wind fliegen" die Jury beim Wettbewerb um den Bundeskunstpreis für Menschen mit einer Behinderung überzeugt. Er erhielt den ersten Preis, prämiert wurden die Werke weiterer 19 Teilnehmer. Insgesamt hatten 276 Künstler Arbeiten eingereicht. 

Radolfzell - Die Laudatio des städtischen Kulturchefs Karl Batz zielte auf die Besonderheit des Wettbewerbs - keine leichte Aufgabe, weil er zugleich zum Ausdruck bringen wollte, dass der Bundeskunstpreis eben kein Mitleidspreis ist, sondern den Anspruch einer allein an der künstlerischen Leistung orientierten Bewertung erhebt. Die Auflösung dieser Widersprüchlichkeit versuchte Karl Batz mit folgender Passage: „Der Behinderte erfährt sich in seinem Schaffen neu und wird so wieder ein vollständiger Mensch, für den das Leben wieder sinnvoll wird, für den künstlerisches Gestalten schier lebensnotwendig geworden ist." Angesichts der vielen Brüche in den Lebensumständen dürfte diese Erkenntnis auch auf viele Menschen auch ohne Behinderung zutreffen.

In eine ganz ähnliche Richtung zielte das von Oberbürgermeister Jörg Schmidt verlesene Grußwort von Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin übernahm die Schirmherrschaft über den seit 1978 zum 17-ten Mal veranstalteten Wettbewerb und formuliert in ihrer Würdigung, dass „Kunst von Menschen mit Behinderungen ungewohnte Wahrnehmungen ermöglichen und das Bewusstsein von Menschen ohne Behinderung erweitern kann".

Beim Akt der Preisverleihung stellte sich dann heraus, dass dies fast zwangsläufig der Fall ist. Mit unverfälschter Freude reagierten viele der geehrten Künstler auf die Anerkennung, andere rührten durch verhaltene Dankbarkeit. Auf welch witzige Weise behinderte Menschen mit klischeehaften Vorstellungen aufräumen können, zeigte Michael Frey. Der Preisträger aus Tettnang ignorierte bewusst die eigens für die Behinderten installierte Vorbühne, zu deren Nutzung der Veranstalter ausdrücklich riet. Michael Frey aber wollte - wie viele andere Preisträger - den Moment vom höchst möglichen Standort aus genießen und nahm die rund einen halben Meter hohe Barriere zum Hauptpodest mit Schwung. Den Hinweis auf die behindertengerechte Einrichtung quittierte er dabei mit einem lässigen Abwinken . . .

Lernen konnte man bei der Veranstaltung, zu der deutlich mehr Besucher (darunter etliche Stadträte und der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann) als vor zwei Jahren gekommen waren, auch bei anderen Gelegenheiten. So nutzten die Behinderten die musikalischen Einlagen des Stadtkapellen-Sextetts „Lustige Hannoken" zu Tänzen oder dirigierten die Musiker nach eigenen Takt-Vorstellungen. Zu den von üblichen Festakten abweichenden Elementen zählte auch ein unerwarteter Handkuss für Astrid Zurek. Ihre sympathische und sensible Moderation war auch OB Schmidt aufgefallen, der seine Mitarbeiterin dafür eigens lobte.

Nicht zuletzt war es der Kommentar des ersten Preisträgers Michael Preiß, der den Charakter der Preisverleihung prägte. „Das ist eine Bodenseelandschaft", so schreibt er in einfachen Worten zu seinem Werk, „da war ich schon oft. Es ist windig und neblig, deshalb sind meine Farben auch nebelig geworden. Beim Malen habe ich mir einen Spaß gemacht und mir vorgestellt, wie man die Arme ausbreitet und losfliegt. Man hört nur den Wind und das Vogelgezwitscher und im Bauch hat man ein Nervenkitzeln. Die Vögel wundern sich sehr und fliegen neugierig mit."

Ausstellungen

Die Werke der Künstler sind bis zum 14. Juni in der Villa Bosch (Preisträger und ausgewählte Arbeiten) sowie im Kletterzentrum beim Milchwerk (alle weiteren Exponate der 276 Bewerber) zu sehen. Die Ausstellungen sind von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zu den Präsentationen gibt es einen Katalog (sechs Euro), die Werke der Künstler sind zu kaufen. Bei den Preisträgern handelt es sich um Franziska Fiedler, Michael Frey, Ursula Gentner, Karl Gindele, Efklia Grigoriadou, Alix von Kaulla, Dagmar Klein, Helga Knoblauch, Andreas Kretz, Sybille Kretzmer, Ruth Link, Michaela Mondelo, Paula Mutter, Nicole Noehle, Hans Schön, Mereika Schulz, Gerd Stauss, Franz Stocker, Sabine Woelky und Michael Preiß.

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